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Thema des Monats


Vom Zauber schöner Düfte aus der Türkei
von Biggi Renner

Der Artikel ist der Zeitschrift ab40 (Ausgabe 04/08) erschienen

Während wir uns geschichtlich gesehen noch im finstersten Mittelalter befanden, blühte im osmanischen Reich eine hoch entwickelte Kultur. Dort gab es unter anderem eine wunderbare Erfindung, die wir heute Wasserdampfdestillation nennen. Mittels derer wurden schon damals die edelsten Düfte und Essenzen aus Pflanzen hergestellt. Die wohl bekannteste aller Essenzen ist die der Rose. Sinnbild für Erotik, Sinnlichkeit und Hingabe. Kostspielig und edel ist der Duft, der aus der Damaszenerrose gewonnen wird.

In bezaubernder Sprache wird die Rose als Mutter der Düfte von Dichtern besungen und besprochen. Die Rose, noch heute Sinnbild und Symbol des romantischen Verlangens, wurde ganz gezielt zur Erzeugung sinnlich bezaubernder oder verführerischer Stimmungen eingesetzt. Der persische Arzt und Alchimist Ibn Sina, auch unter dem Namen Avicenna bekannt, soll der erste gewesen sein, der die Rose destilliert hat und dieser auch ein ganzes Werk gewidmet haben soll. Bei den Sufis war die Rose das Symbol der Liebe zu Gott, und der mystischen Vereinigung mit dem Göttlichen. Die Rose, so wusste man, hat eine starke Wirkung auf unsere Emotionen. Der Duft öffnet das Herz und hilft schmerzhafte Verletzungen auf der Herzensebene loszulassen. Also das beste Mittel bei Liebeskummer.
Folgt man den Ausführungen des im 17. Jahrhundert lebenden Pharmakologen N. Kalpepper, „lindern getrocknete rote Blütenblätter als Tinktur oder Pulver schwere Menstruationsblutungen, Bluterbrechen und andere Blutungen. Rosenaufgüsse in Wein lindern Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Augenschmerzen, Ohren-, Hals- und Zahnfleischschmerzen. Sie helfen auch bei Schmerzen im Bauchbereich und der Gebärmutter“. Ganz wunderbar ist ätherisches Rosenöl als Duftbegleiter bei der Geburt. (siehe ab40 Heft 4/07)
In den letzten Jahren hat die Forschung gezeigt, dass Rosenblüten die Vitamine A, C und P enthalten und medizinisch beim Abbau von stressbedingter Müdigkeit, Schultersteife, Schlaflosigkeit, Magenschmerzen und Nervosität wirksam sind. So gesehen kann ein Strauß Rosen nicht nur eine Entschädigung für einen stressreichen Tag sein, sondern hat auch medizinische Wirkung und kann das Leben freundlicher gestalten. Wir kennen das Rosenwasser, welches in der Küche ebenso Anwendung findet bei Süßspeisen, Getränken und Gebäck wie in der Kosmetik und Körperpflege. Es ist nicht nur Duft- sondern auch Heilmittel. Man sagt dem Rosenwasser oder auch dem Rosenhydrolat, welches als willkommenes Nebenprodukt bei der Destillation entsteht, nach, dass es kühlend, beruhigend und stärkend auf der Haut wirkt. Es kann unverdünnt angewendet werden z.B. als Kompresse bei entzündlichen, angestrengten Augen. Es ist unglaublich, wie wohl das tut. Allerdings sollten Sie beim Kauf darauf achten, dass kein Alkohol enthalten ist.
Die islamische Höflichkeit schrieb vor, seine Gäste mit Rosenwasser aus einer bestimmten langhalsigen Flasche (gulabdan) zu besprengen.

Das ätherische Öl der Rosen gehört zu den teuersten der Welt. Wenn Sie ein Rosenöl kaufen, achten Sie darauf, dass es ein 100 % naturreines ätherisches Öl ist. 1 ml davon kosten in der Regel zwischen 20,- und 40,- Euro. Alles andere ist entweder eine Verdünnung mit Alkohol oder fettem Öl oder ein synthetisch hergestelltes Duft- oder Parfümöl. Für die Erzeugung von 1 ml Rosenöl benötigt man ungefähr 5 kg frische Rosenblätter.

Ein weiterer interessanter Duft aus der Türkei, den Sie als ätherisches Öl bekommen, ist der der Myrte. Vielfach auch als „Engelswasser“ benannt.
Im Nahen Osten ist die Myrthe bereits seit dem Altertum ein Symbol des Friedens, der Ruhe und des Glücks. Sie wird vielfach als Blume der Götter bezeichnet. In Rom war Myrthe den Göttinnen Venus und Demeter geheiligt, im antiken Griechenland Aphrodite. Göttinnen der Fruchtbarkeit und der Mutter Erde. Noch heute wird Myrthe oft in traditionellem Brautschmuck verwendet und auch in Initiationen (Einweihungen), z.B. Taufen oder Konfirmationen, findet sie Anwendung. Der krautig-frische Duft ist befreiend für die Atemwege und für Kinder z.B. viel besser geeignet als Eukalyptus. Die reinigende und klärende Kraft der Myrte wirkt auf Körper, Geist und Seele. Sie können das ätherische Öl gut zur Stärkung das Immunsystems in Erkältungszeiten einsetzen. Myrtenöl wirkt sehr stark antiseptisch. Sie können Brust und Rücken bei Atemwegserkrankungen mit einer Mischung aus 2 Esslöffeln Basisöl (z.B. Mandelöl) und 3 Tropfen Myrte einreiben. Einen herrlichen Duft können Sie sich mischen, wenn Sie Lavendel, Neroli, Zypresse, Zitrone und Myrte zu Hause haben. Das schafft, in der Duftlampe angewandt, ein reines, klares, frisches Raumklima.
Über die Symbolkraft der Pflanzen und aus der Signaturlehre lassen sich Rückschlüsse über den Wirkungsbereich der ätherischen Öle erzielen. Wenn Sie also auf der Suche nach dem richtigen Duft für bestimmte Situationen sind, achten sie doch einmal darauf.
Das fand ich in „Wissenschaft im Dialog“: „Schon gewusst, warum es bald himmlische Düfte gibt? Gemeinhin wird geglaubt, Forschung dient nüchtern nur höheren Zielen. Irrtum. Den Gegenbeweis tritt ein Forschungsprojekt an Bord der Internationalen Raumstation ISS an. Vor fünf Jahren flog eine Rose mit Namen Overnight Scentsation an Bord eines Space-Shuttles in das All. In der Schwerelosigkeit verströmte das edle Gewächs einen anderen Duft als auf der Erde: süßlicher und weniger frisch. Zurück auf festem Boden analysierten Chemiker die genaue Zusammensetzung der Aromastoffe. Mit rund 200 Geruchskomponenten ließ sich der Duft im Labor schließlich künstlich herstellen. Auch beim nächsten Flug des Space-Shuttles am 16. Januar erhält die Astroculture-Kammer erneut Zuwachs. Eine weitere Rose und eine Reis-Blume sollen sich unter den Sternen näher kommen. Die Umwelt einer Pflanze bestimmt die Art der ausgeschütteten Aromen. Temperatur, Licht, Feuchtigkeit und auch der Kontakt mit anderen Gewächsen beeinflussen die Zusammensetzung. An Bord der ISS sollen diese Veränderungen in der Schwerelosigkeit untersucht werden. Die Forscher erhoffen sich völlig neue Düfte. Die Parfümindustrie freut sich und verhilft dann vielleicht jedem zu einem Stück Himmel.“

Biggi Renner hat seit 30 Jahren Erfahrung im Bereich Naturkosmetik und Duftästhetik und führt ein Fachgeschäft in München-Schwabing.

Scheuen Sie sich nicht uns anzurufen, unser Team ist gerne für Sie da. Sie erreichen uns unter Tel. 089/44 23 81 18 (Mo-Fr. 10 - 19 Uhr, Sa. 10 - 15 Uhr)

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Bisher erschienene Artikel:
Die Macht des Wechsels
Von Düften beflügelt
Vom Duft bewegt
Eine Insel für die Sinne


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