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Rapunzel-Festival 2008 (12.-14.09.2008)
von Stefan Gritzbach
Eher zufällig bin ich auf dieses ereignisreiche Event gestoßen worden. Ich arbeite seit etlichen Monaten an dem reinen Bio-Obst- und Gemüsestand "Obergrashof" am Elisabeth-Markt in München. Ich habe zwar das Festival-Plakat im Weg-Stopper gesehen, aber nicht wahrgenommen. Im Gespräch mit einer Bekannten von Biggi Renner (Geschäftspartnerin von Balance & Dreams und Inhaberin des aromare-Fachgeschäfts in München), die dann erzählt hat, dass der alternative Friedensnobelpreisträger Percy Schmeiser auftritt, wurde ich wachgerüttelt. Im Vorfeld des Events habe ich mir auf Basis des Veranstaltungsplans mein persönliches Wunsch-Programm zusammengestellt.
Bei meiner Anreise am 13.09. gegen 10:30 Uhr zeigte sich das Wetter grau in grau, kühl und unwirtlich. Die Besucher lassen sich trotzdem die gute Stimmung nicht vermiesen. Nach einem ersten Orientierungsrundgang auf dem Gelände (ich bin das erste Mal hier) und einem leicht chaotischen Einstieg ins Programm (die Zeitübersicht der Veranstaltungen ist verwirrend) habe ich den empfehlenswerten Dokumentarfilm von Bertram Verhaag "Leben außer Kontrolle" besucht. Der Film schildert in anschaulicher, unverblümter Weise, wo wir in der Ernährungswirtschaft momentan stehen und wohin die Reise geht. Vieles dreht sich hier um die Schlüsseltechnologie der Zukunft, die Gentechnik. Es werden beispielsweise Fische von einer Firma gezeigt, die schneller wachsen, mehr Proteine enthalten. Fazit: Alles ist darauf ausgelegt, dass wir die Umwelt an unsere "vermeintlichen" Bedürfnisse anpassen und nicht umgekehrt. Alles wird schonungslos "optimiert". Es klingt sehr dramatisch, ist es auch, aber nicht hoffnungslos. Nach einem Rundgang über das Gelände, wo auch einige Schausteller vertreten waren, war mir der Vortrag von Joseph Wilhelm (Vorstand der Rapunzel AG) wichtig. Er berichtete über seinen GENFREI GEHEN-Marsch von Lübeck nach Lindau. Es war wirklich erfrischend zu sehen, dass es Joseph Wilhelm nicht um Publicity geht, sondern um den Zweck der Sache. Es haben sich zahlreiche bekannte Leute seinem Anliegen angeschlossen, was die Aufmerksamkeit erhöht hat. Am Ende dieser Aktion stand die Überreichung einer Unterschriftenliste an Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer. Joseph Wilhelm machte aus seiner anfänglichen Verärgerung über die politische Ignoranz keinen Hehl, da die Übergabe aufgrund von Terminverschiebungen offenbar bewusst hinausgezogen wurde. Da nach Wilhelms Auffassung alles in Leben einen Sinn hat, sah er dann das Positive darin, am Ende erheblich mehr Unterschriften zusammengekommen zu haben. Er berichtete auch, dass er bei der Begegnung endlich erfahren wollte, welchen Standpunkt Seehofer wirklich in puncto Gentechnik einnimmt. Hier konnte das Zusammentreffen leider keine erhellenden Gedanken liefern. Schade eigentlich. Faszinierend fand ich, dass Joseph Wilhelm eine vertrauensvolle Gelassenheit an den Tag legt und in rund 1400 Mitläufern einen beachtlichen Erfolg sieht.
Ein wichtiges Highlight war die Abendveranstaltung mit Percy Schmeiser. Hier haben wir aus erster Hand erfahren, welche juristische Odyssee er als kanadischer Landwirt und Saatgutzüchter gegen den Agrochemie-Konzern Monsanto erlebt hat. Sein Ackerland wurde mit genmanipulierten Rapspflanzen verseucht und aufgrund des herrschenden kanadischen Patentrechts von Monsanto verklagt. In oberster Instanz hat er schließlich einen Teilerfolg erzielt.
Unglaublich mutet es an, wenn Monsanto Anzeigen in Zeitungen schaltet und darin aufruft, Verstöße wegen unerlaubtem Saatgut-Anbau zu melden. Dies zerstört die soziale Struktur der bäuerlichen Gemeinschaften, da bewusst Misstrauen gesät wird, was im Gegenzug wiederum den wirtschaftlichen mafiösen Interessen dient.
Herrliche kubanische Salsa-Rhythmen der Gruppe "Son Pa Ti" begeisterten das Publikum. Und ich als eingefleischter Tanzfan könnte meine Beine nicht stillhalten.
Den Abschluss machte zu fortgeschrittener Stunde die Disco mit DJ Joseph (Wilhelm), was mich wieder mal in die Zeit als Teenager zurückversetzt hat. Schön belebend in so einer Gemeinschaft.
Angeregt und "ausgearbeitet" bin ich gegen 1:30 Uhr in meinen Schlafsack in der Umweltstation in Legau gegrochen.
Nach einem reichhaltigen Frühstück im Rapunzel-Casino geht es frisch gestärkt in einen Vortrag.
Um auf den neuesten Stand der Wissenschaft im Bereich der Gentechnik zu kommen, nehme ich an dem Vortrag von Dr. Angela von Beesten teil, die Ärztin ist (Vorstandmitglied des Ökologischen Ärztebundes) und über eine sehr hohe Fachkompetenz verfügt. Empfehlenswert ist Ihr Buch "Den Schatz bewahren". Sie gibt einen sehr fundierten und sachlichen Einblick in die Fakten und Folgen der Gentechnik in der Landwirtschaft.
Danach standen dann ein Vortrag über Speiseöle (mit Olaf Kuhleman) und ein Schokoladen-Exkurs (mit Heike Kirsten) auf dem Plan. Bei den Speiseölen wurden erst einmal die Grundlagen erläutert, welche wichtige Funktion Öle bzw. Fette in unserem Körper übernehmen. Ferner wurde ein Einblick in die unterschiedlichen Arten von Fettsäuren vermittelt. Interessant war auch die Gegenüberstellung in der Produktion zwischen einem guten kalt gepressten Olivenöl und einem Speise- und Bratöl, das man im Supermarkt bekommt. Letztere werden z. B. mit Fettlösemitteln wie giftigem Hexan und Leichtbenzinen zur Erhöhung der Ausbeute behandelt. Eine Vorstellung, die einem den Appetit verdirbt, wenngleich die Öle rückstandsfrei am Ende des Herstellungsprozesses sind. Alles was ein Öl aber so inhaltlich wertvoll macht, geht verloren.
Beim Schokoladen-Vortrag habe ich eine echte Kakao-Frucht gesehen. Von den Besonderheiten des Anbaus, über die Herstellung der Kakaomasse und den unterschiedlichen Qualitäten wurde alles behandelt.
Last but not least habe ich mir noch den Vortrag von Kultursaat e.V. angehört. Ein Verein, der es sich zur Aufgabe macht, in Kooperation mit Landwirten neue Gemüsesorten zu züchten und als Sorten anzumelden. Hauptaugenmerk sind die Entwicklung von samenfesten Sorten im Vergleich zu den im Bio-Bereich auch weit verbreiteten Hybrid-Sorten. Der Verein sieht Saatgut als kulturelles Gemeingut an und stellt sich damit klar gegen die zunehmende Monopolierung von Saatgut-Firmen wie Monsanto, Syngenta, Bayer-Aventis …
Abschließend habe ich sehr hilfreiche Kenntnisse und Erfahrungen in kurzer Zeit und komprimierter Form gesammelt. Reich gefüllt mit geistiger Nahrung und zufrieden im Herzen habe ich mich gegen 17:30 Uhr auf den Heimweg nach München gemacht. Gerade mit meiner Vision einen eigenen Bioladen zu führen, war diese Veranstaltung ein wichtiger Baustein.
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Wir sind gerne für Sie da!
(Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-15 Uhr)
089-44 23 81 18 (D)
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